Montag, 27. August 2012

Anna Dankowtsewa - Die Stadt mit dem blauen Tor



Die Stadt mit dem blauen Tor ist ein Einzelband von Anna Dankowtsewa.

Gebundene Ausgabe 
Erscheinungsdatum: 1. Januar 2013
Übersetzer: Sabine GrebingSeitenanzahl: 189 
Verlag: Diogenes 
Sprache: Deutsch 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre 
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Der vierzehnjährige Iwan lernt eines Tages ein merkwürdiges Mädchen kennen, das ihn dazu bringt, mitten im Winter mit ihm in den eiskalten Fluss zu springen. Ein mieser kleiner Gauner denkt, er könnte einen großen Coup landen, denn hatte er die beiden vorher nicht von einem Schatz flüstern hören? - und springt samt seinem Bruder hinterher. Der Polizist Peter Häslein sieht eine Chance, endlich zu beweisen, dass er, trotz seines von allen belächelten Familiennamens, Mut hat - und stürzt sich ebenfalls in die eisigen Fluten. Doch nicht der Kältetod erwartet diese verrückten Fünf, sondern Die Stadt mit dem blauen Tor, ein Koloss von einem Pferd, das mit einem Hufschlag seine Farbe von Schwarz nach Weiß ändern kann und auf den Namen Terminator hört, der fürchterliche Drache Smej Gorynitsch und - nicht zuletzt - der silbergraue Wolf, ohne dessen Hilfe alles verloren gewesen wäre.

Also, das ist ja wirklich ein ganz schreckliches Cover, oder? Mal im Ernst. Das Einzige, was hier irgendetwas aus dem Buch auch nur andeutet, ist die Wolfskette. Aber - hallo?! Ich habe noch nie ein Cover gesehen, das so unansprechend und langweilig ist. Da weist ja rein gar nichts auf ein Fantasybuch hin, oder? Eine Schande. Bah.

Ich hatte mir keine besonders hohen Erwartungen an das Buch gestellt und fand es auch schon von Anfang an irgendwie merkwürdig. Man erfährt gar nicht richtig, was Sache ist, sondern nur, dass das Mädchen, das Iwan trifft, ihm alles von Der Stadt mit dem blauen Tor und den Problemen erzählt, was genau allerdings zu tun ist, erfährt man nicht so wirklich. Details werden ausgelassen und nur einige der wichtigen Dinge werden so nach und nach aufgeklärt. Vieles ist mir anfangs einfach nur verwirrend vorgekommen.
Im Zarenreich dann angekommen, erlebt Iwan ein Abenteuer aufs andere, lernt neue Wesen kennen und macht sich auf den Weg, um das Land zu retten. Diese kleinen Abenteuer sind immer ganz unterhaltsam. Nicht besonders spannend, aber unterhaltsam und Action war da. Was mich dabei gestört hat, war, dass Iwan fast immer durch irgendetwas direkt gerettet wird und er fast nichts wirklich selber und ganz allein schafft. Jedes Mal kommt irgendeine Hilfe von jemand oder etwas Anderem, oder die "böse" Gestalt ist eigentlich ein einsames Ding, das keiner Fliege was zu Leide tut und zufällig auch noch genau das hat, was unser "Held" im entscheidenden Moment braucht.
Außerdem habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wann es denn nun mal zum großen Finale kommt, und wie das überhaupt aussehen soll. Als dann nur noch ca. 25 Seiten übrig waren und noch nichts darauf hingedeutet hat, dass jetzt mal etwas in der Richtung passiert, dachte ich wirklich, da kommt nichts mehr. Dann ist aber doch noch eine Art Finale eingetreten und das war so extrem winzigkurz und unspektakulär, dass man es auch gleich hätte weglassen können. Es war komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe, noch dazu so was von langweilig und unrealistisch. Dann geht auf einmal alles ganz schnell, so dass man gar nichts so wirklich mitbekommt und es ist auch kein Stück spannend.
Dazu kommt noch das Ende, was nicht nur tausende offene Fragen hinterlässt, sondern auch ziemlich verwirrend ist und ich hab einige Dinge irgendwie überhaupt nicht verstanden. Das Ende kommt so plötzlich und überraschend, bevor man irgendwie kapieren kann, wie es dazu gekommen ist. An einer Stelle hat es mich ein bisschen an Der Zauberer von Oz erinnert...
Außerdem fließen noch mehrere Handlungstränge in die Geschichte ein, die im Klappentext erwähnt werden, und zwar zwischendurch mal wieder erwähnt werden, aber nie wirklich in die Story reinpassen. Sie werden nicht mal richtig zu ende geführt und hinterlassen einfach nur ein riesiges Fragezeichen im Kopf. Man könnte denken, dass es eine Fortsetzung dazu geben würde, aber ich konnte nirgendwo etwas darüber finden. Es werden nur hauchdünne Andeutungen gemacht, was passiert ist und was noch auf Iwan zukommt.
Iwan als Protagonist war ganz sympathisch, zwar ohne besonders tiefgründig zu werden, aber dennoch war es angenehm, von ihm zu lesen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass das Koboldmädchen (den Namen habe ich vergessen) die zweite Hauptperson in Die Stadt mit dem blauen Tor sein würde, aber die ist nach kurzer Zeit einfach so abgetaucht ohne Erklärung, ich weiß auch schon gar nicht mehr, was sie eigentlich währenddessen getan hat. Vielleicht wurde das auch nicht mal mehr erwähnt, ich weiß es nicht genau. Von ihr hatte ich mehr erwartet, da sie es ja auch war, die plötzlich in Iwans Leben getreten ist und ihn für 13 Jahre von seinem Zuhause rausholen wollte.


Wer nichts gegen jede Menge Verwirrung, offene Fragen ohne Fortsetzung, Charaktere ohne Tiefe, selten Spannung und ein langweiliges kurzes merkwürdiges Ende hat, der darf sich hier noch ein Herz dazu denken - ich persönlich vergebe 2 Herzen. Die Abenteuer, die Iwan durchlebt, sind ganz unterhaltsam, aber so ist das Buch insgesamt halt auch: einigermaßen unterhaltsam, nicht mehr. Es gibt einfach zu viele Schwächen um es als Mittelmaß vorzustellen, aber eine eigene Meinung kann man sich ja dennoch mal machen, da viele von dem Buch sehr begeistert sind.





Anna Dankowtsewa, geboren 1961 in Tambow, Zentralrussland, verbrachte ihre Jugend in Weimar. Sie studierte Informatik in Moskau und schloss eine Theaterschule ab. Sie arbeitete als Assistentin des Direktors am Moskauer Theater Eremitage, als Kinderbuchautorin und als freie Mitarbeiterin für verschiedene Magazine. Seit 1998 ist sie freie Mitarbeiterin bei Radio Liberty in Moskau. Sie schreibt für Erwachsene, Kinder und Jugendliche.

1 Kommentar:

  1. Die schönste Aufgabe von Büchern:
    Fragezeichen in Köpfen zu hinterlassen.
    Ich gebe zu, der Sprung von Jugendliteratur hin zu eher an etwas ältere gereichte Literatur (der Diogenes-Verlag ist ja nicht typisch für Jugendliteratur) mag erstmal schwer bleiben.
    Doch meiner Meinung nach lohnt er sich, wenn auch nur für die Zeit eines Buches.
    Nimm dir Zeit, diese Welten zu entdecken. Und bitte: Verurteile den Diogenes-Verlag nicht aufgrund eines misslungenen Buches. "Die Schweizer" haben so viel mehr zu bieten ...

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