Freitag, 24. August 2012

Scott Westerfeld - Midnighters: Die Erwählten


Die Erwählten ist der erste Teil der "Midnighters"-Trilogie von Scott Westerfeld.
1. Die Erwählten - 2. Das Dunkle - 3. Der Riss

Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum: April 2007
Übersetzer: Friederike Levin
Seitenanzahl: 303
Verlag: Kosmos
Sprache: Deutsch
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
Originaltitel: Midnighters - The Secret Hour
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Taschenbuchausgabe
Erscheinungsdatum: 1. März 2010
Übersetzer: Friederike Levin
Seitenanzahl: 320
Verlag: Carlsen Verlag
Sprache: Deutsch
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre

Seltsame Dinge passieren um Mitternacht in Bixby, Oklahoma. Die Zeit bleibt stehen und alles erstarrt, eine Stunde lang. Nur die Midnighter, vier Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten, wissen davon und können sich frei bewegen - immer auf der Hut vor den finsteren Kreaturen, die die blaue Stunde beherrschen. Doch dann taucht Jessica an der Highschool auf. Auch sie kann die Midnight erleben, aber irgendetwas an ihr reizt die Darklinge bis aufs Blut. Ein gefährlicher Kampf beginnt.

Das Cover ist zwar gut auf das Buch abgestimmt, mit den Uhren, den Andeutungen auf die blaue Stunde, den Regentropfen, die in der Luft erstarrt sind, und in einer Szene im Buch vorkommen, der kargen Landschaft, was die Badlands darstellen könnte - allerdings ist es kein Eyecatcher. Passend, aber nichts Besonderes und auch die Schriftarten sind ziemlich langweilig.
Andere Cover:

Der erste Band der Midnighters-Reihe ist zwar unterhaltsam und lesenswert, aber nichts Herausragendes. Es ist ganz nett, doch kein Buch, das alle Welt lesen muss.
Abgesehen von einer Situation am Anfang und dem Finale am Ende passiert eigentlich fast gar nichts. Die Midnighter finden zwar immer mehr heraus und Jessica lernt die blaue Stunde kennen, doch spannend wird es nicht besonders oft. Das Buch zieht sich zu lange hin und ich finde, der Fokus wird auf die falschen Dinge gelegt.
Jessica ist zwar eine ganz sympathische Protagonistin, allerdings erfährt man meiner Meinung nach viel zu wenig über sie, außer dass sie und ihre Familie nach Bixby gezogen sind. Auch konnte ich nie wirklich mir ihr mitfühlen, weil die Gefühle irgendwie mehr nur angedeutet werden. Mich hätte noch mehr interessiert - auch wenn das nicht wirklich zur Story beiträgt - wie sie wirklich darüber denkt, nach Bixby gezogen zu sein, oder beispielsweise auch Familiensituationen. Und natürlich wie sie es empfindet, ein Midnighter zu sein. Jessica denkt zwar anfangs darüber nach, ob vielleicht alles nur ein Traum ist, aber als sie dann erfährt, dass die blaue Stunde real ist, werden ihre Gefühle so gut wie gar nicht beschrieben. Das gilt auch für ihre Verbindung mit Jonathan. Zuerst hat es mir gut gefallen, dass sie sich nicht auf den ersten Blick in ihn verliebt und die beiden plötzlich unzertrennlich sind, und hatte angenommen, dass sich das noch entwickeln würde, wie eine reale Beziehung. Allerdings wird weder der Fokus darauf gelegt, noch bekommt man richtig mit, dass die zwei so was wie ein Paar werden. Es wird auch nicht erwähnt, warum sie sich eigentlich ineinander verlieben und es wirkt ein bisschen so, dass es einfach so sein muss, weil gerade niemand Anderes da ist, auch wenn das vielleicht ein bisschen hart klingt. Manchmal kam es mir sogar so vor, als würde Jonathan überhaupt nichts von Allem mitbekommen. Und dafür, dass mir so viele Dinge gefehlt haben, ging die Story trotzdem extrem langsam voran und ich weiß schon gar nicht mehr, was in der Zwischenzeit eigentlich passiert sein soll, abgesehen von immer wiederholten Gedankengängen und irgendwelchen Vorbereitungen.
Die Nebencharaktere sind mir beim Lesen nicht so wirklich ans Herz gewachsen. Positiv war, dass man von ihren Gefühlen wenigstens mehr mitbekommt und ihre Handlungen dadurch versteht. Dennoch hat es bei Melissa ziemlich lange gedauert, bis ich richtig verstanden habe, was mit ihr los ist. Rex wurde mir auch nicht so ganz sympathisch, obwohl er wirklich versucht, nett zu Jessica zu sein und er erklärt ihr auch alles, was sie über die Midnight wissen muss. Er war ein "ganz okay"-Charakter, und einerseits mochte ich ihn, andererseits ging er mir ein bisschen auf die Nerven. Und es wirkt immer so, als wolle er Jessicas unentdecktes Talent nur für sich beanspruchen, egal, was es sein mag, und nicht um ihr damit wirklich zu helfen. Dafür mochte ich Dess und Jonathan sehr gerne. Ich konnte Dess' Gefühle gut verstehen und Jonathans Handlungen nachvollziehen. Trotzdem finde ich, dass der Autor sich zu lange mit wiederholten Gedanken und Taten aufhält und zu wenig Jessicas Gefühle oder die Entwicklung zwischen ihr und Jonathan in den Vordergrund stellt.
Jetzt aber zu den positiven Dingen. Scott Westerfeld hatte für diese Trilogie mehrere sehr originelle und gut umgesetzte Ideen. Angefangen bei der Midnight - und zwar hat jeder Tag nicht 24, sondern 25 Stunden und nur die Midnighter und die Darklinge, die nur in dieser Extra-Stunde auftauchen, können das erleben, während alles andere um sie herum still steht. Das Ganze wird auch ziemlich realistisch erklärt, weil es viel mit Mathematik zu tun hat, und dadurch hatte ich selbst manchmal das Gefühl, dass es die blaue Stunde wirklich gibt und niemand etwas davon mitbekommt. Wichtig bei dieser Stunde ist auch die Zahl 13. Damit wird Vieles verbunden und sauberes Metall, das mit einem 13-Buchstaben-Wort benannt wird (dafür ein Lob an die Übersetzerin!), wird zur Waffe gegen die Darklinge. Womit wir bei der nächsten originellen Idee wären: die Darklinge haben nicht nur Angst vor allem, was mit der Zahl 13 zu tun hat, sondern auch vor sauberem Metall, das sie verbrennen lässt. Ich meine, auf so etwas muss man erstmal kommen! :D Diese Ideen wurden auch sehr gut umgesetzt, ohne in irgendeiner Weise überflüssig zu wirken.
Beim "Finale" wird es wegen der Darklinge und scheinbar aussichtslosen Situationen richtig spannend. Leider passiert zu diesem Zeitpunkt so Vieles gleichzeitig oder sehr schnell hintereinander, dass man gar nicht alles richtig mitbekommt und einige Stellen ein zweites Mal lesen muss. Trotzdem kann man sich zwischendurch überhaupt nicht vorstellen, was die Midnighter jetzt noch retten könnte, und darum gefiel mir diese Stelle auch mit am Besten. Ganz am Ende wird man dann nochmal richtig geschockt, sodass man den zweiten Teil ganz schnell haben möchte, weil auch zwischendurch schon Dinge auftauchen, die man nicht ganz versteht und die etwas verwirren - zumindest ging es mir so.

Bei Die Erwählten findet man viele sehr originelle Ideen, allerdings auch eine große Anzahl an Schwachpunkten. Es ist nicht besonders anspruchsvoll, aber trotzdem ganz unterhaltsam und ein schönes Buch für Zwischendurch, wenn auch kein Lesemuss. 3 Herzen vergebe ich, weil es über das Mittelmaß nicht herüberkommt, allerdings durch die Grundidee punkten kann.

Scott Westerfeld wurde in Texas geboren. Er studierte Japanisch, Spanisch und Latein und arbeitete unter anderem als Lehrer, Redakteur und Softwaredesigner. Seit einigen Jahren lebt er abwechselnd in Sydney und New York und schreibt mit großem Erfolg Romane für Erwachsene und Jugendliche. -- scottwesterfeld.com (englisch)

Die Erwählten soll zwar nicht verfilmt werden, möglicherweise wird es aber eine TV-Serie geben, die auf der Midnighters-Trilogie basiert, ein Datum oder Hauptdarsteller ist aber noch nicht bekannt.

Kommentare:

  1. In deinen Rezensionen klingst du so intelligent :o Ganz anders als im realen Leben :D

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    1. Pff... pff.. das.. also... pff... du.. nee... pff... eh... PFF!
      ;D ♥

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